Nebel, Neid und Nachtgesang: Ostfrieslandkrimi
Ein Schrei, der nicht sein dürfte. Eine Melodie, die in den Tod lockt. Im Herzen des Ewigen Meeres, Deutschlands größtem Hochmoorsee …
Alfredbooks steht in dieser Übersicht mit einem einzigen Titel, und der hat es in sich: Nebel, Neid und Nachtgesang, ein Ostfrieslandkrimi, dessen Name aus der Masse der Genre-Etiketten herausragt. Kleine Verlagsnamen mit schmalem Programm sind im Bereich der Ostfriesenkrimis keine Seltenheit, das Genre lebt seit Jahren auch von unabhängigen und digitalen Veröffentlichungswegen, und gerade dort finden sich oft die eigenwilligeren Titel.
Was über diesen Verlagsnamen gesichert gesagt werden kann, steht in der Werkliste: ein Ostfrieslandkrimi von Jörn Slieter mit einem Titel, der auf Alliteration und Atmosphäre setzt statt auf das übliche Mordvokabular. Diese Wahl verrät etwas über das Programmverständnis, denn wer einen Krimi so nennt, verkauft eine Stimmung, nicht nur einen Fall. Der Nebel gehört zu den prägenden Wettern der Region, der Neid zu ihren stillsten und wirksamsten Motiven, und der Nachtgesang gibt dem Ganzen eine unheimliche Note, die zwischen Windgeräusch und Warnung changiert. Ein Verlag, der ein solches Buch ins Programm nimmt, positioniert sich erkennbar am atmosphärischen Ende des Genres.
Der Buchmarkt rund um die Ostfrieslandkrimis hat sich in den vergangenen Jahren stark ausdifferenziert. Neben den großen Publikumsverlagen und den etablierten Krimi-Spezialisten existiert eine lebendige Szene kleinerer Anbieter und Selfpublishing-Plattformen, über die ein erheblicher Teil der Neuerscheinungen des Genres erscheint. Für Leserinnen und Leser ist das eine gute Nachricht, denn die Vielfalt der Veröffentlichungswege sorgt für Vielfalt im Regal: Wo die großen Reihen auf bewährte Schemata setzen, können kleine Programme Titel wagen, die klanglich und konzeptionell aus der Reihe tanzen, so wie dieser.
Für die Einordnung heißt das: Wer beim Stöbern nach Ostfriesenkrimis auf den Verlagsnamen Alfredbooks stößt, findet dahinter nach aktueller Werkliste genau diesen einen Küstenkrimi, und der empfiehlt sich über seinen Titel selbst. Mehr lässt sich seriös nicht sagen, über Programmgeschichte oder weitere Planungen macht die Liste keine Angaben, und Spekulationen wären hier fehl am Platz. Was zählt, ist das Buch: ein Ostfrieslandkrimi, der seine Region über Stimmung, Motiv und Klang erschließt und damit beweist, dass das Genre auch abseits der großen Verlagsadressen interessante Wege geht. Wer den Titel liest und hängenbleibt, hat den Zweck eines Verlagsprogramms im Kleinen erlebt: Es hat ein Buch zu seinem Leser gebracht.
Ein Schrei, der nicht sein dürfte. Eine Melodie, die in den Tod lockt. Im Herzen des Ewigen Meeres, Deutschlands größtem Hochmoorsee …