Franck Weimert
Ostfriesland kennen und lieben, der Buchtitel von Franck Weimert ist zugleich eine Reihenfolge: Erst kommt das Kennen, dann das Lieben, und wer beides hinter sich hat, weiß, dass die Reihenfolge stimmt. Der Untertitel verspricht unbeschwerte Ferientage auf den Inseln, an der Küste und im Land zwischen Ems und Jade, womit das Programm dieses Reisebuchs komplett umrissen wäre, und sein Terrain sich exakt mit dem der Ostfriesenkrimis deckt, die sonst auf dieser Seite versammelt sind.
Ostfriesland kennen und lieben: das Land der Ostfrieslandkrimis im Original
Die Gebietsbeschreibung im Untertitel ist präziser, als sie klingt. Zwischen Ems und Jade, das ist die klassische Abgrenzung der Region, von der niederländischen Grenze im Westen bis zum Jadebusen im Osten, und die Dreiteilung in Inseln, Küste und Land benennt die drei Welten, aus denen Ostfriesland tatsächlich besteht. Die sieben bewohnten Inseln mit ihren Stränden und Fährhäfen, die Küstenlinie mit Sielorten, Deichen und dem Wattenmeer davor, und dahinter das Binnenland, das viele Gäste unterschätzen: die Fehngebiete mit ihren Kanälen, die Geest, die Moore, die Städte Emden, Aurich, Leer und Norden. Ein Reisebuch, das alle drei Zonen bedient, nimmt die Region als Ganzes ernst und nicht nur ihre Strandkante.
Das Versprechen der unbeschwerten Ferientage verrät zudem die Haltung des Buches. Hier wird nicht das Abenteuer verkauft, sondern die Erholung, und das trifft den Kern dessen, was Ostfriesland seinen Gästen bietet: Entschleunigung als Landschaftseigenschaft. Der weite Himmel, der Wind, die Gelassenheit der Menschen, das Teeritual, all das wirkt auf Besucher wie eine Kur, und ein Reisebegleiter, der diese Qualität in den Mittelpunkt stellt, hat verstanden, warum die Leute herkommen, und wiederkommen.
Das Buch im Überblick
- Ostfriesland kennen und lieben: unbeschwerte Ferientage auf den Inseln, an der Küste und im Land zwischen Ems und Jade
Vom Reisebuch zum Krimi und zurück
Auf einer Seite über Ostfrieslandkrimis hat ein solcher Titel seinen guten Platz, denn die beiden Buchgattungen bedienen dieselbe Sehnsucht von zwei Seiten. Der Krimi holt die Region ins Wohnzimmer, das Reisebuch bringt den Leser in die Region. Erfahrungsgemäß funktioniert der Kreislauf in beide Richtungen: Wer im Urlaub die Sielhäfen und Inselfähren kennengelernt hat, greift daheim zum Krimi, der dort spielt, und wer sich durch genügend Küstenkrimis gelesen hat, bucht irgendwann die Fähre. Das Kennen und das Lieben aus dem Titel beschreiben dabei ziemlich genau, was auch die Krimileserschaft mit dieser Landschaft verbindet, man bleibt dem Schauplatz treu wie einer Lieblingsfigur.
Als Einheimischer lese ich Bücher dieser Art immer mit einem prüfenden und einem wohlwollenden Auge. Prüfend, weil wir empfindlich sind, wenn jemand unsere Heimat auf Windmühlen und Teekannen reduziert, wohlwollend, weil jedes Buch, das Gäste gut vorbereitet herbringt, der Region einen Dienst erweist. Ein Titel, der ausdrücklich das ganze Land zwischen Ems und Jade würdigt, statt nur die Inselprominenz abzuklappern, macht in dieser Hinsicht Hoffnung, denn die stilleren Ecken, das Rheiderland, die Fehndörfer, die Krummhörn, haben Aufmerksamkeit verdient.
Über den Autor macht die Werkliste keine weiteren Angaben, und dabei bleibt es. Das Buch selbst ordnet sich klar ein: ein Ferienbegleiter für alle, die Ostfriesland kennenlernen oder ihre Liebe auffrischen wollen, und damit die ideale Ergänzung zum Krimiregal. Erst kennen, dann lieben, und zwischendurch, ganz nach Geschmack, ein bisschen morden lassen, auf dem Papier, versteht sich.
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