Das Teekomplott – Ostfrieslandkrimi
Das beschauliche ostfriesische Dorf Canhusen wird durch eine Mordserie aufgeschreckt. Kommissar David Büttner und sein Assistent Sebastian …
Lago ist ein Imprint aus der Münchner Verlagsgruppe rund um mvg und Riva, ein Haus, das sonst eher für Unterhaltung und populäre Sachbücher bekannt ist, und in dieser Übersicht steht der Name für einen prominenten Gast aus dem Norden: Das Teekomplott, den zweiten Band der Ostfrieslandkrimi-Reihe um Büttner und Hasenkrug von Elke Bergsma.
Der Titel gehört zu den bekanntesten des ganzen Genres, und das nicht ohne Grund: Das Teekomplott verdichtet den Ostfrieslandkrimi auf seine reinste Formel. Der Tee ist an dieser Küste bekanntlich keine Getränkefrage, sondern Weltanschauung, die Ostfriesen halten seit Jahrhunderten am eigenen Teeritual fest, mit Kluntje, Sahnewölkchen und der eisernen Regel, dass unter drei Tassen gar nichts geht. Ein Komplott, das sich ausgerechnet um den Tee rankt, trifft die Region also an ihrer empfindlichsten Stelle, und genau aus dieser Fallhöhe zwischen Alltagsheiligtum und Verbrechen bezieht der Titel seinen Witz und seine Wucht. Dass der Band aus der Reihe um das Ermittlerduo Büttner und Hasenkrug stammt, die es inzwischen auf 38 Fälle bringt, macht ihn zudem zu einem idealen Schaufenster: Wer das Teekomplott gelesen hat, weiß, ob ihm diese Serie schmeckt.
Dass ein Münchner Unterhaltungsimprint einen Ostfrieslandkrimi ins Programm nimmt, erzählt eine größere Geschichte: die vom Aufstieg des Genres aus der digitalen Nische in den allgemeinen Buchmarkt. Reihen wie die von Elke Bergsma sind im E-Book-Selfpublishing groß geworden, haben dort sechsstellige Leserschaften aufgebaut und wurden dann für den klassischen Handel interessant, Printausgaben über etablierte Verlagsstrukturen inklusive. Für die Leserschaft ist das ein Gewinn auf beiden Seiten: Die digitale Stammkundschaft behält ihren schnellen Nachschub, und wer lieber im Buchladen stöbert, findet die Erfolgsreihen der Küste nun auch dort im Regal, verlegt von Häusern, die Vertrieb und Ausstattung professionell beherrschen.
Für das Genre der Ostfriesenkrimis markieren solche Kooperationen einen Reifegrad. Ein Nischenphänomen wird man nicht dadurch los, dass man es ignoriert, sondern dadurch, dass die großen Player einsteigen, und wenn ein Münchner Imprint das Teetrinken an der Nordseeküste für bundesweit vermarktbar hält, ist der Beweis erbracht: Ostfriesland funktioniert als literarische Marke weit über die Region hinaus. Als Einheimischer nimmt man das mit einer Mischung aus Stolz und Amüsement zur Kenntnis, unser Nationalgetränk als Kriminalstoff in den Auslagen der Republik, das hätte den Teehandelshäusern vergangener Jahrhunderte gefallen.
Die praktische Empfehlung ist einfach: Das Teekomplott eignet sich hervorragend als Einstieg in eine der größten Reihen des Genres, auch wenn Puristen mit Windbruch, dem ersten Band, beginnen mögen. Wer den Titel bei Lago entdeckt, hält jedenfalls ein Stück Genregeschichte in den Händen, den Ostfrieslandkrimi in seiner erfolgreichsten Ausprägung, angerichtet für das große Publikum. Stilecht liest man ihn selbstverständlich mit einer Kanne echten Ostfriesentees, alles andere wäre, nun ja, ein Komplott gegen den Stoff.
Das beschauliche ostfriesische Dorf Canhusen wird durch eine Mordserie aufgeschreckt. Kommissar David Büttner und sein Assistent Sebastian …