Grünkohl, Mord und Pinkel: 25 Ostfrieslandkrimis und 25 Rezepte
26 Krimiautoren servieren typisch ostfriesische Spezialitäten in skurril-heiteren, schwarzhumorigen und mörderisch spannenden Geschichten …
Grünkohl, Mord und Pinkel: Wer diesen Buchtitel versteht, ist im Nordwesten zu Hause, wer bei Pinkel stutzt, hat die Region noch vor sich. Der Band von Regine Kölpin versammelt 25 Ostfrieslandkrimis und 25 Rezepte, und schon der Name macht klar, dass hier zwei Herzensangelegenheiten der Küste zusammengeführt werden: das Verbrechen auf dem Papier und das Essen auf dem Tisch.
Zur Aufklärung für alle Auswärtigen: Pinkel ist die geräucherte Grützwurst, die im Nordwesten zum Grünkohl gehört wie der Deich zur Küste, und die Kohlfahrt, die den Verzehr traditionell einleitet, ist hier oben ein Ereignis mit eigenen Regeln, Bollerwagen, Spielen unterwegs und am Ende einem Kohlkönig. Ein Buch, das dieses Kulturgut in den Titel hebt, weiß also genau, wen es anspricht, und es weiß auch, wann es gelesen wird: in der Grünkohlzeit, jenen Monaten zwischen erstem Frost und Frühjahr, in denen die Tage kurz sind, die Küche dampft und der Lesesessel seine beste Saison hat. Fünfundzwanzig Kurzkrimis passen in diese Jahreszeit wie die Mettwurst in den Kohltopf, eine Geschichte pro Abend, dazwischen wird gekocht.
Das Konzept der Doppelung, 25 Krimis, 25 Rezepte, ist dabei mehr als eine Spielerei. Es bildet ab, wie in Ostfriesland tatsächlich erzählt wird: beim Essen, nach dem Essen, über das Essen. Die Kurzform wiederum ist eine eigene Kunst, ein Kriminalfall auf wenigen Seiten braucht Ökonomie, Pointe und Timing, und wer 25 davon in einem Band versammelt, bietet nebenbei einen Querschnitt durch die Möglichkeiten des Genres, von humorig bis düster ist in solchen Sammlungen erfahrungsgemäß alles vertreten.
Man mag fragen, was Rezepte in einem Krimibuch verloren haben, die Antwort liegt in der Natur des Regionalkrimis. Das Genre lebt von der Verankerung im Alltag seiner Region, und nirgends ist dieser Alltag so greifbar wie in der Küche. Wer weiß, wie Grünkohl mit Pinkel schmeckt, versteht auch die Menschen besser, die in den Geschichten morden und ermitteln, und umgekehrt schmeckt der Kohl nach 25 Krimis noch einmal anders. Für Verschenker ist der Band ohnehin ein Selbstläufer: Er funktioniert für Krimifans, für Hobbyköche und für alle, die jemanden im Nordwesten kennen, also für praktisch jeden Gabentisch zwischen Weihnachten und Kohlfahrt.
Als Ostfriese begrüße ich es, wenn die Esskultur der Region ernst genommen wird, statt als Folklore-Zitat zu verkommen, und ein Titel, der den Pinkel selbstbewusst neben den Mord stellt, tut genau das. Über die Zusammenstellung hinaus macht die Werkliste zu Regine Kölpin keine weiteren Angaben, also bleibt es bei dem, was das Buch selbst verspricht: ein Winterprogramm in 25 Gängen, bei dem Spannung und Sättigung einander abwechseln. Wer in der dunklen Jahreszeit einen Vorrat für Leseabende anlegt oder das passende Mitbringsel zur nächsten Kohlfahrt sucht, sollte diesen Band auf dem Zettel haben, und danach am besten gleich einen Topf aufsetzen, der Appetit kommt beim Lesen von ganz allein.
26 Krimiautoren servieren typisch ostfriesische Spezialitäten in skurril-heiteren, schwarzhumorigen und mörderisch spannenden Geschichten …