Walter de Gruyter GmbH & Co KG

Walter de Gruyter ist einer der ältesten und renommiertesten Wissenschaftsverlage der Welt, das Berliner Haus publiziert seit über 270 Jahren Forschung von der Altphilologie bis zur Zeitgeschichte, und in dieser Übersicht steht es für das gewichtigste Sachbuch der Sammlung: Langeoog, Biographie einer deutschen Insel von Jörg Echternkamp, in zwei Bänden vom Nordseebad der Kaiserzeit bis zu Tourismus und Nationalsozialismus 1933 bis 1939.

De Gruyter und Langeoog: Wissenschaft trifft Inselgeschichte

Dass ein Verlag dieses Kalibers eine ostfriesische Insel zum Forschungsgegenstand macht, ist bemerkenswert und für die Region ein Ritterschlag. Die zweibändige Studie behandelt Langeoog als historisches Subjekt mit Lebenslauf: Band 1 verfolgt das Nordseebad zwischen Monarchie und Republik, Band 2 untersucht die Verschränkung von Tourismus und Nationalsozialismus in den Jahren 1933 bis 1939. Gerade der zweite Band greift ein Thema auf, das die Bäderforschung lange gemieden hat: Urlaub wirkt wie das Unpolitischste der Welt, Strandkorb, Kurkonzert, Wattwanderung, und genau deshalb ist die Frage so aufschlussreich, wie die Seebäder der Nordsee in die Ideologie und Organisation des NS-Staats eingebunden wurden. Wer die Inseln nur als Ferienidyll kennt, lernt hier, dass auch der schmalste Sandstreifen deutsche Geschichte im Kleinen erzählt, mit allen Brüchen, die dazugehören.

Das verzeichnete Werk

  • Langeoog, Biographie einer deutschen Insel, Band 1: Das Nordseebad zwischen Monarchie und Republik, Band 2: Tourismus und Nationalsozialismus, 1933 bis 1939

Warum ein Wissenschaftsverlag auf eine Krimiseite gehört

Die Antwort liegt in der Rolle, die Langeoog in der Literatur der Region spielt. Kaum eine ostfriesische Insel ist krimitechnisch dichter besiedelt: Gleich mehrere Serien lassen dort ihre Kommissare und Inselpolizisten ermitteln, die Leserschaft der Ostfrieslandkrimis kennt Fähranleger, Dorfstraße und Dünenwege aus Dutzenden Bänden. Die Echternkamp-Studie liefert zu dieser fiktionalen Dauerbespielung das historische Fundament, sie erzählt, wie der Ort wurde, was er ist, und wer sie gelesen hat, geht anders durch die Kulisse der Romane. Das ist kein akademischer Luxus: Regionalliteratur gewinnt an Tiefe, wenn ihre Leser die Schichten unter der Oberfläche kennen, und eine Insel, deren Fremdenverkehrsgeschichte so gründlich aufgearbeitet ist, hat der Fiktion etwas voraus.

Der Verlagsname bürgt dabei für die Standards, die solche Forschung braucht: Quellenarbeit, Begutachtung, wissenschaftliche Redlichkeit. De Gruyter publiziert keine Heimattümelei, sondern geprüfte Geschichtsschreibung, und dass eine ostfriesische Insel in diesem Programm ihren Platz gefunden hat, zeigt, wie ernst die Regionalgeschichte des Nordwestens inzwischen genommen wird. Für Heimatforscher, Lehrkräfte und alle, die es genau wissen wollen, ist das Werk die maßgebliche Adresse zur Inselgeschichte, und für die wachsende Zahl der Langeoog-Liebhaber unter den Krimilesern die anspruchsvollste Form der Schauplatzkunde.

Die Empfehlung richtet sich deshalb an eine besondere Lesergruppe: an jene, die nach dem zehnten Inselkrimi wissen wollen, was hinter der Kulisse steckt. Erst die Fiktion, dann die Forschung, das ist die Reihenfolge, in der die meisten zu einem solchen Werk finden, und sie funktioniert. Wer beide Ebenen kennt, die erfundenen Morde und die echte Geschichte, liest die Insel wie ein Palimpsest, Schicht für Schicht. Mehr kann Literatur über einen Ort, gleich welcher Gattung, nicht leisten.

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