Wellhöfer Verlag

Der Wellhöfer Verlag aus Mannheim hat sich unter anderem mit regionalen Krimi-Anthologien einen Namen gemacht, und für den Nordwesten steht er in dieser Übersicht mit zwei Bänden, deren Konzept man nicht mehr vergisst: Ostfriesisch kriminelle Weihnacht mit 25 Krimis und 25 Rezepten sowie Grünkohl, Mord und Pinkel mit 25 Ostfrieslandkrimis und ebenso vielen Rezepten. Kurzkrimi trifft Kochbuch, das ist die Formel, und sie passt zur Region wie der Kluntje in den Tee.

Wellhöfer und die kulinarischen Ostfrieslandkrimis

Die beiden Anthologien bedienen ein Format, das der Verlag kultiviert hat: Sammlungen kurzer Kriminalgeschichten mit regionalem Fokus, verzahnt mit der Küche der jeweiligen Gegend. Für Ostfriesland ist diese Kombination ein Heimspiel. Grünkohl, Mord und Pinkel, herausgegeben unter dem Namen Regine Kölpin, ruft mit der geräucherten Grützwurst und dem Kohl gleich das wichtigste Winterritual des Nordwestens auf, die Kohlfahrt mit Bollerwagen, Spielen und anschließendem Festessen gehört hier zum Jahreslauf wie anderswo der Karneval. Die Ostfriesisch kriminelle Weihnacht von Mirjam Phillips überträgt dasselbe Prinzip auf den Advent: 25 Geschichten, eine pro Dezembertag bis Heiligabend, dazu die passenden Rezepte für die dunkelste und gemütlichste Zeit des Küstenjahres. Beide Bände verstehen, wie in dieser Region gelebt wird, es wird zusammen gegessen, und beim Essen werden Geschichten erzählt, gern auch solche mit Leiche.

Verzeichnete Titel

  • Ostfriesisch kriminelle Weihnacht: 25 Krimis und 25 Rezepte
  • Grünkohl, Mord und Pinkel: 25 Ostfrieslandkrimis und 25 Rezepte

Die Anthologie: unterschätzte Königsdisziplin

Kurzkrimi-Sammlungen führen im Genre ein Nischendasein neben den großen Serien, dabei leisten sie etwas, das keine Reihe kann: Sie versammeln viele Stimmen zwischen zwei Buchdeckeln. Wer eine dieser Anthologien liest, lernt in 25 Geschichten 25 Erzählweisen kennen, von humorig bis düster, und findet dabei mit einiger Wahrscheinlichkeit die Autorin oder den Autor, deren Langwerke er als nächstes lesen möchte. Anthologien sind die Verkostungsmenüs des Krimigenres, und die Rezeptbeigabe macht die Metapher hier ausnahmsweise wörtlich. Zudem verlangt die Kurzform ihr eigenes Handwerk, ein Kriminalfall auf wenigen Seiten braucht Ökonomie und Pointensicherheit, weshalb gute Kurzkrimis oft unterschätzte Kabinettstücke sind.

Für den Gabentisch sind beide Bände ohnehin wie geschaffen, sie funktionieren für Krimileser, für Hobbyköche und für alle, die jemanden an der Küste kennen oder dort ihre Urlaube verbringen. Als Einheimischer freut mich an diesem Verlagskonzept besonders, dass die Esskultur der Region ernst genommen wird statt als Folklorezitat herzuhalten: Wer den Pinkel selbstbewusst neben den Mord in den Titel stellt, weiß, dass beides hier oben mit derselben Hingabe zelebriert wird, das Festessen und das Erzählen.

Die Empfehlung ergibt sich aus dem Kalender: Die kriminelle Weihnacht gehört in den Advent, der Grünkohlband in die Saison zwischen erstem Frost und Frühjahr, und wer es richtig machen will, kocht die Rezepte parallel zur Lektüre nach. So wird aus zwei Büchern ein Winterprogramm, ostfriesischer lässt sich die dunkle Jahreszeit kaum verbringen, es sei denn, man wohnt ohnehin hier und hat den Landregen gratis dazu.

Bücher aus dem Verlag